Die 8 Waagen des Guntram
Am 28. März, dem Tag des Guntram, hat die Schweizer Finnklasse
mit der Nachvermessug, entsprechend den neuen IFA-Vorschriften, begonnen.
29 Finnsegler meldeten sich an, um das Äusserste aus ihren Booten
herauszuholen. Ich bekam eine Art Schwächeanfall, als ich diese
Zahl sah, aber Beat Reichen, unser Vermesser stärkte mich mit
seiner ruhigen und professionellen Art. Das schaffen wir, wir müssen
es nur gut vorbereiten. Es gab von allen Seiten etliche Auflagen und
wir hatten nur ein Datum. Es musste alles auf Anhieb klappen.
Nachts träumte
ich von Finnbooten, die in Kathedralen an endlosen Seilen pendelten (kann mir
das bitte jemand deuten?) und in Käthi’s Apotheke lieh ich mir eine
Analysenwaage aus, um das Blei bei Bedarf auf 0,01 g wägen zu können.
Am Samstag 08:00 gings los. Beat baute seinen Prüfstand auf, er hatte
3 Waagen dabei. Eine Tischwaage für das Blei und 2 Personenwaagen, um die
Boote darauf zu stellen. 09:00 war alles bereit, Fräne traf pünktlich
als erster ein und mit ihm auch die ersten Probleme.
Legt man einen Finn auf eine 2 cm dicke Personenwaage, dann ist das so, dass
diese dann unter dem Schiff liegt und nur ein 2 cm dicker Mensch darunter kriechen
kann, um das Gewicht abzulesen. Kein Problem. Wir bauten einen Sockel, der auf
den Waagen stand und das Boot darauf balancierte. Es stellte sich heraus, dass
sich die Waagen nur per Berührung einschalten lassen, was natürlich
simultan passieren musste. Also zeigte eigentlich immer nur eine der beiden Waagen
etwas an.
Fräne: Eine neue Waage muss her. Eine Federwaage.
5-10 Telefongespräche und 1 Stunde Autofahrt in Thun und Umgebung.
Resultat: eine Personenwaage, allerdings mit einer Limite von 200 kg,
so dass unter der Benützung des schon vorhandenen Sockels das
Boot auf nur eine Waage gestellt werden musste. Beim ersten Versuch
verabschiedete sie sich für immer von unserer Welt.
Brünu: Ein Metzger! Die haben so was. Man muss
mit den Leuten reden. Kurze Abwesenheit, mehrere Telefonate,
keine Waage.
Carlo: Jungs lasst mich machen, ich habe Beziehungen.
Einige Telefonate, eine Stunde Autofahrt, 2 unglaubliche, digitale
Federwaagen für den Bedarf der Schwerindustrie an grossen Kranen.
Die kleine bis 3 t, die grosse haben wir nur andächtig von weitem
betrachtet. 5 kg sind für solche Waagen kein Mass, feiner liessen
sie sich trotz intensivem Probieren nicht einstellen. Ich hoffe,
wir gaben sie nicht allzu verstellt zurück.
Am Ende unserer Weisheit angekommen und der Verzweiflung nahe kam die
Rettung wie ein goldener Regen über unsere Häupter (tatsächlich
regnete es wirklich fies) in Form vor Christof Wilke. Er nahm sein
Natel zwischen 2 Hüftschwungen auf der Skipiste ab, erkannte unsere
Not und befahl Yvonne in die Werft, wo sie uns die 8. und die einzig
richtige Waage aushändigte.
Mit 5,5 Stunden Verspätung legten wir los, arbeiteten parallel
mit einer Pendel- und einer Wägegruppe und es ging flott voran.
Das Blei rauszuholen war bei allen das grösste Problem. Brünu
versuchte es mit Heissluftgebläse. Als sich die Bordwand rot verfärbte
und kleine Blasen bildete wurde er blass und brach ab. Ich darf berichten,
dass es ihm wieder besser geht. Er kam am nächsten Tag aus eigener
Kraft in den Yachtclub und kann wieder sprechen. Anders Nordin
erfand die effizienteste Methode. Anstatt das Blei mit dem Stechbeutel
abzulösen, schaffte er es mit einigen kräftigen Hammerschlägen.
Er vergass dann den Hammer im hinteren Luftkasten und führte die
ganze Testreihe damit durch. Wir hatten aber mittlerweile viel Zeit
gutgemacht und es war kein Problem ihn ein zweites mal zu wägen
und pendeln. Zweimal nur wägen musste Hazy, da er auf der Strecke
vom Wäge- zum Pendelplatz (10 m) vergass, mit wieviel Blei sein
Boot austariert wurde. Den besten Test machte Andi. Er nahm sein
ganzes Blei raus und bestand anschliessend ohne jede Korrektur im Top
Bereich. Die meisten Wilke-Schiffe haben ihr Gewicht gar nicht reduziert.
Sie sind offenbar derart optimal, dass eine Gewichtsreduktion durch
einen deutlich schlechteren Pendeltest mehr als wett gemacht würde.
Die Patas hatten das meiste Gewicht hinten. Durch die gleichzeitige
Gewichtsreduktion und Entfernung eines schweren Kompasses vorne, haben
auch sie profitiert.
Am Schluss wurde alles gut, pünktlich 17 Uhr war der Yachtclub
wieder aufgeräumt und auch mein Schiff mit allen Papieren ausgestattet,
nachdem ich als einziger am Samstag meinen Messbrief zuhause vergass.
Unser allerherzlichster Dank gebührt Christof Wilke für seinen
Spontaneinsatz sowie Beat Reichen, der ein ganzes Wochenende bei Kälte
und Regen für
unsere Klasse da war und uns half, unsere geliebten Böötli
etwas schneller zu machen.
Jiri, SUI 7 |