Niederhornkanne – 30./31. August 2008

03.09.2008

Im Westen nichts Neues: Der Beste hat gewonnen, der Schnellste wurde Zweiter – dass ich schreibe, ist ja auch nicht gerade das erste Mal.

Die Beteiligung erinnerte an alte Zeiten, hat sich aber schon am Mittwoch angekündigt, als elf Finns sich auf dem See tummelten, einfach so. Und 27 waren wir dann – eine Steigerung von 80% gegenüber dem Vorjahr! Pech für den Vorjahressieger, dass ihm diese 12 Stück, die zusätzlich kamen, auch grad noch vor die Karre fuhren. Jedenfalls hat er schon auf die grimmigste Art reagiert, sich den Sonntag freigenommen und einen neuen Finn geordert... Fräne, wir fürchten und hoffen auf deine Masters in Maubuisson – jetzt bist nicht nur alt, sondern auch weise genug! Von den neuen Teilnehmern müssen wir zwei speziell erwähnen: Ruedi Christen versuchte es als Gast auf dem Finn von Stephan Zlot und Peter Bähler vom Hallwilersee hat sich das Vanguard von Charly Hager gepostet – übrigens mit dem legendären Latini Mast von Dominik Wälchli. Fredy Wachter machte die Regatta international.
Der erste Lauf in einem leichten Oberwind wurde von Christoph Christen vor Christof Wilke gewonnen, dritter Hans Fatzer. Aufgrund des schönen Wetters rechnete männiglich mit Westwindthermik. Deshalb kürzte der WFL den ersten Lauf ab. Irgendeine unmögliche Südströmung wollte nichts von Thermik wissen und so wurde ein zweiter «Schleicher» gestartet. Wieder Christof vor Christoph, allerdings umgekehrt. Der zweite Vorwind war nichts für schwache Nerven: Christoph Christen schaukelte sich an den führenden Christof Wilke, der sich im Wartesaal fühlte, mit einem unerwarteten und coolen Luvkampf, aber trotzdem den Laufsieg heimbrachte. Mir gings ähnlich, nur dass mein Gegner zu pumpen probierte, dies aber in seiner bekannt uneffektiven Art, dass es halt auch nicht genügte…
Am Abend gabs Einlaufbier und anschliessend die Taufe von Hazys neuem Boot. Freud und Leid – Res Roost spannte in einer kurzen, dafür umso tiefsinnigeren Ansprache den Bogen von unseren verstorbenen Kameraden Olaf und Gebi sowie von Anita, die ein Teil unserer Finngemeinde geworden war, zu der Wichtigkeit und Qualität dieser Finngemeinde bis zur Taufe des neuen Finn-Dinghy – Finn steht ja auch für Freude. Und geblieben ist uns – und ich hoffe, es bleibt auch unser Faden – der denkwürdige Satz eines Holländers in Cannes, als Hazy mal nicht ganz so zufrieden wie am Samstag war: «He – we are here for fun!» Und das waren wir auch. Und nachdem die Gotte Barbara Burger das Boot verzaubert und getauft hatte, machten wir uns vor den Spaghetti noch über das Taufapéro her. Hazy, vielen Dank, du darfst noch ein paar Geschosse taufen!
Sonntag. Der Wetterbericht versprach Badewetter und Grillieren am Abend, verhiess jedoch nichts Gutes punkto Wind. Als die Wettfahrtleitung erkannte, dass Res und der Schreibende im Jassen klar in Führung lagen, handelte er und schickte uns zum Warten auf das Wasser. Er unterhielt uns mit einer kleinen Startübung, die nicht bei allen Gefallen fand, aber dafür auch den Letzten weckte. Jedenfalls kamen wir zum Baden und gegen 14:30 Uhr zeigte die Fahne in der Eichbühlbucht, dass nochmal mit Oberwind zu rechnen ist. In der Tat konnten wir noch einen Leichtwindlauf segeln. Wieder christöphelte es vorne, diesmal sogar dreifach. Christoph Burger hatte sich zu den zwei anderen gesellt und auf dem Vorwind ist er nicht braver geworden – im Gegensatz zu meinem Präsidentenfreud kann er auch wirklich pumpen – so war in kurzer Zeit Christoph der F ührende . Das war den zwei anderen gleich: Denen ging es um den Gesamtsieg und da sah Christof Wilke wie der sichere Sieger aus. Aber Christoph Christen hat erst nach dem Zieldurchgang verloren: Auf dem Vorwind kam ihm noch ein Europe gelegen – wegen diesem konnte Wilke nicht luven und schon war Christen in der Innenposition. Es entwickelte sich ein spannendes Duell zum Ziel. Wenn zwei sich streiten, kommt der Dritte und wird Dritter. Und dass ich das war, hat mich natürlich gefreut, denn selbstverständlich war das nicht. Auf dem Vorwind, eher eine Stärke von mir (vor allem, wenn es eine Jury auf dem Wasser hat…) kam ich nämlich einfach nicht am schweren Thomas Gautschi vorbei. Der probierte ein Mastfall von sieben Metern (700 cm!) und was so unmöglich klingt – er war Vorwind auch unglaublich schnell. Aber an der Kreuz, sobald es ein bisschen Wind hat, ist dieses Mastfall vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Obwohl: Den ersten Lauf hat Thomas in seiner Backstube verbracht und anschliessend zwei Fünfte gefahren – vielleicht sollten wir den Mast doch noch ein wenig aufstellen. Dem Pesche Kilchenmann würde das allerdings auch nichts nützen, nachdem er schon mal beim Massenfrühstart klar zuvorderst war, war er es halt auch beim gültigen Start – und dann war der Start für ihn halt nicht gültig. Aber nur gute Segler haben Frühstarts.

Auch wenn es vom Wind her kein Super-Weekend war – kommt wieder so zahlreich, denn so macht es Spass.

Ruedi
SUI 57