Capman Cup – 20./21. September 2008, Oberhofen

Den Bericht muss ich gar nicht schreiben – nur die Voten beim heutigen Fondueplausch zu Papier bringen und erledigt ist die Schreiberpflicht. Ausserdem kommt dazu, dass der Capmann Cup mit dem letzten Saturday Race zusammen fiel - deshalb muss oder darf ich nur über den Sonntag schreiben. Die Samstag-Ereignisse kann der geneigte Leser dem Bericht des lieben Schreiberkollegen Bürgi entnehmen. Dieser hatte die Serie nach bewährter psychologischer Kriegsführung schon Mitte Woche mit der Bemerkung lanciert, dass sich der Ändu und der Baumann um den Schreiberposten streiten. Das Duell begann in der Folge schon an Land, auf den ungewohnten Anblick des Baumann mit einem Reinigungschwamm in der Hand konterte Ändu mit dem Gang zum Hockdruckreiniger. Das packende Duell kann dann der Fräne beschreiben. Wir waren nämlich deutlich schneller als er, konzentrierten uns aber zu fest auf unseren Wettkampf, so hatte er einen ungeahnten Höheflug und drängte sich aus hoffnungsloser Lage noch zwischen uns - und kam so zur unerwarteten und hohen Ehre des Schreiberpostens beim Saturday Race. Deshalb wird sein Bericht in Bezug auf seine Kollegen auch mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen sein… (Insbesondere Ausreden über defekte Niederholer wären in diesem Jahr dann nicht neu, zweimal in einem Jahr geht bei Fräne so ein Ding doch nur kaputt, wenn er gegenüber Susann im Erklärungsnotstand wegen einem übereilten, aber doch schon lange geplanten Kauf eines neuen Finns ist.)

Zum Sonntag: Bei einem sehr lauen Lüftchen liefen wir aus und starteten in das Ding. Für mich war klar, dass eigentlich nur der See zählte – am Schluss fehlte aber der Glaube. Thomas Gautschi, zum Leichtwindspezialisten mutiert, machte einmal mehr den Schlag an die Kander und gewann prompt den Bergpreis, nicht gefolgt von meiner Wenigkeit. Ich durfte in einem Flautenloch mit ansehen, wie der Bürgi mit seinem Ho-Chi-Minh-Schlag wieder Dussel hatte und mir über die Lumpen fuhr. Natürlich hätte ich den Lauf trotzdem noch gewonnen, bei ihrem erbitterten Duell kamen sich die zwei ein bisschen zu nah: Fräne hätte kringeln müssen, dies unterliess er und der Thömu unterliess den Protest und deshalb meldete ich meinerseits einen Protest an - den ich natürlich in meiner unendlichen Güte an so einem lokalen Anlass nicht durchzog. Musste ich ja nicht, ich wusste, dass ich das noch im Bericht erwähnen darf.
Der Wind, schon während dem ersten Lauf auf gute drei Beauforts aufgefrischt, blieb uns erhalten. Thömu gewann den zweiten Lauf vor Christoph Wilke und Jiri Huracek. Jiri liess es sich nehmen und zog schon auf der Ziellinie den Fotoapparat aus der Brusttasche um fotodokumentarisch zu beweisen, dass der Schreibende hinter ihm ins Ziel kam. Und es steht zu befürchten, dass er seine Drohung, dieses Bild an prominenter Stelle ins Internet zu stellen, dank präsidialem Machtgehabe auch durchdrücken wird. Christoph und Jiri überholten mich, weil ich ein bisschen Überhöhe hatte, gemäss Fräne so viel, «dass man gar nicht so viel ausfieren kann, um diese Höhe zu vernichten». Sicher wird es einige interessieren, wo denn der Fräne in diesem Lauf abgeblieben ist. Er ist ja eine rechte Wundertüte, mal top, mal flop - und dieses Wochenende war eigentlich «top» angesagt. Er produzierte aber einen Top-Flop indem er, nach einem gerissenen Niederholer am Vortag nun offenbar das ganze Mastklavier zum Boot ausriss. Und der Verdacht, dass er das nur gemacht hat, damit der Baumann auf dem Schreiberposten landet, ist nicht von der Hand zu weisen, insbesondere weil sich nach dem Überhöhe-Flop desselbigen zeigte, dass sich Wilke für diese Aufgabe zu interessieren begann. Dieser schändliche Verdacht wird auch durch den Umstand untermauert, weil Jiri kein Foto vom havarierten Schiff hat!

Jedenfalls erschien Fräne nicht zum letzten Lauf (offenbar hatte er genug von den Mitgliedern der Bojen-Diletanten-Partei, Original-Aussage von Fräne zum Übertritt eines bekannten Finnseglers von der SVP zur BDP) und wir starteten das Unterfangen «alle gegen Thömu». Das gelang uns ausgezeichnet, konnte ihm aber gleich sein, er war eh nicht mehr einzuholen. Um das zu demonstrieren versuchte er eine neue Vorwindtechnik – aber weshalb ein unter dem Schiff Durchschwimmen schnell sein soll, konnte er uns nicht erklären und auch nicht beweisen. Christoph Wilke fuhr diesen Laufsieg nach Hause, gefolgt von mir und Ändu, der den Bergpreis geholt hat. Somit hatten wir insgesamt sechs Läufe an diesem Wochenende gesegelt – es war mit Abstand das beste Segelereignis des Jahres auf dem Thunersee – der Muskelkater war am Montag mit Nachfreude zu ertragen.

Thomas Gautschi regt schon lange an, dass der Schreiber ausgelost werden sollte, damit auch von den hinteren Rängen etwas zu vernehmen sei. Wenn man sieht, dass zwischen dem 7. und dem 11. Rang nur 5 Punkte Unterschied (wohlgemerkt – nach sechs Läufen) Differenz sind, dann kann man unschwer nachvollziehen, dass es in der zweiten Ranglistenhälfte deutlich spannender zu- und her ging. Ich kann den Vergleich auch anders machen: Zwischen Rang 1 und 6 sind 19 Punkte Differenz, zwischen Rang 7 und 12 bloss deren 7!  Es hat einfach keine langsamen Segler mehr im Feld, die man von Anfang geschlagen hat und die sich beim Geschichte-Erzählen an der Bar so gut machen. Zum Glück ist der neue Flottenchef, der leider wegen einer angeblichen Grippe fehlte, ein guter Finneinsteiger-Motivator – meine Nerven lechzen wieder nach leichter zu schlagenden Gegnern!

Sieger des Capman-Kübels wurde Thomas Gautschi, der die anwesenden Finnsegler anschliessend noch ins Kreuz einlud. Eine sympathische Geste, die ich anderen Siegern, sofern Thömu noch andere zulässt, immer wieder wärmstens ans Herz legen kann. Herzlichen Dank!

SUI 57
der jedenfalls im Schreiben schneller ist als SUI 12 :-)