Finn Masters 2007Das Buch zum Film

(In Anspielung auf die 500 Fotos von Jiri)

24.06.2007

Meine sechste Masters, keine war schlecht – diese war der Hammer. Darüber zu berichten ist aber eine erdrückende Last, einerseits habe ich in der Tat die Befürchtung, etwas zu vergessen, anderseits ist da die latente Gefahr, dass ich in der Länge übertreiben könnte. Ich fasse mich kurz: (und für solche, die nur die Fakten wollen – lest die erste Hälfte meines Presseberichts – mehr braucht es nicht).
Angefangen hat das Ganze in Bracciano: Wir wussten, dass der Weg nach Murcia weit sein würde und sahen die Holländer-Lösung mit dem Lastwagen. Unseren Spinnereien, wie und wer da fahren könnte, setzte Carlo ein Ende und machte mit Gafner Transporte von Thun Nägel mit Köpfen. Gemäss den Berechnungen sollten elf Finnjollen reinpassen. Also trafen sich am Dienstag die meisten Teilnehmer der Masters zum raschen Verladen der Boote. Carlo hat extra ein Gestell zusammengeschweisst und gemäss einem psychiatrisch geschulten Hilfsarbeiter, der das ganze rüberschleppen half, war es ein bisschen zu schwer geworden.
Umso überraschter war dieser Hilfsarbeiter beim Beladen des Trucks (den zu zitieren ich mich noch ein paar Mal erlaube und bitte seine Mutter, wenn sie den Bericht lesen sollte, halt ein wenig um Verzeihung – aber ich kann nichts dafür, dass er trotz elterlicher Begleitung so vorlaut war…), wie filigran das Gestell plötzlich wurde. Ich konnte über diese Wortwahl nur staunen, denn sie war absolut zutreffend. Der Chauffeur staunte nicht wirklich, murmelte nur etwas über Schlosser, die einem Autohändler zu dünne Stahlträger verkaufen und ihr könnt Euch wohl denken, was da noch alles kam.
Wir luden das erste Boot ein und stellten fest, dass es zu breit war. Besitzer Res, Vater des psychiatrisch geschulten Hilfsarbeiters und als Architekt mit Massen vertraut, gab relativ überzeugend bekannt, dass sein Finn nicht zu breit sei. Carlo erwiderte, er habe die Breite dem Messbrief entnommen und ein Finn sei 1.50 m breit – basta! Wie Ihr alle wisst und Carlo nun auch: Die Scheuerlisten sind im Messbrief in der Breite nicht enthalten und dürfen je 3 cm sein − somit fehlte uns 1 cm… (die entsprechenden Kommentare zu dieser Erkenntnis erspare ich mir aus Zeit-, Platz- und Anstandsgründen).
Jedenfalls zeigte Carlo nun, was eine Harke ist. Er holte Alteisen aus seinem Geschäft, Hans Fatzer holte bei Blicki eine Trennscheibe und irgendwann gegen 23.00 Uhr waren neun Finns verladen, die Altersheiminsassen noch wach und Chauffeur Chrigu mit dem Gestell so einigermassen zufrieden. Und das Wundern über die Finnsegler hatte er sich schon ein bisschen abgewöhnt…
Zwei Finns waren zuviel. Jiri gewann die Diskussion, wer mit diesen nach Murcia fahren durfte, allerdings nur mit dem Angebot von Hans, dass er die Fracht zurückfahren kann… Die Diskussion, ob alle elf Finns auf dem Laster Platz hätten, dauert übrigens noch an. Beim Beladen war nicht zu verkennen, was für Berufe die einzelnen Segler so ausübten. Insbesondere Jiri, der beim Slipwagen ein Rad abnehmen wollte, liess routiniert den Befehl «Zange» erschallen und nach getaner Operation war es wohl kein Zufall, dass ihm noch das Wort «Tupfer» rausrutschte. Dass Thömu kein Zahnarzt ist, wussten wir. Auf den Befehl von Carlo, in das filigrane Gestell ein Loch zwecks Anbringung einer Verstärkung zu bohren, bestand er darauf, dass er Psychiater sei. Immerhin, wie er drei Stunden später anlässlich der Mitternachtspizza bekannt gab, ein Psychiater, der jetzt auch Stahl bohren könne! Er machte der Finnflotte noch beliebt, den Antrag für eine Flutlichtanlage auf dem Parkplatz zu stellen, schliesslich muss er beim Bohren etwas sehen. Über diesen Antrag wurde noch nicht befunden, aber Präsident und Vize vom TYC veranlassten aufgrund der nächtlichen Aktivitäten einen Entschuldigungsbrief an die Nachbarn – bedankt Euch bei Gelegenheit bei Verfasser Chrigu Strübin für diese Tat.

So, nun wollt Ihr was vom Segeln lesen? Zuerst kommt die Reise (Ich wusste, dieser Bericht wird zu lang).
Thömu formuliert es so: Flying with easyJet seems pretty easy (as long as you’re not called Kilchenmann).
Wir trafen uns am Donnerstag gegen Abend in Basel am Flughafen, die Segler vom TYC (Res und Lucie, Bruno, Helmut, Carlo mit Caprice und Priska (keine Fragen stellen – der Carlo ist einfach mehr Frauen- denn Seglerheld und die Rezeptionistin hat dies auch festgestellt). Thomas und ich, dazu Hans und Marianne vom Boden- und Helmut und Ruth Ziereis von Waginger See. Es war schon ein spezielles Gefühl, wie die einzelnen so daher kamen, richtig wie eine geführte Wandergruppe. Lässig wurde es beim Einschecken, 11 Kilo war mein Koffer, dafür kein Handgepäck. Als ich die Werte der anderen sah, hab ich mich gefragt, was ich alles vergessen habe.
Im Flugzeug waren Plätze für die Schweizer Delegation der Finn-Masters reserviert – selbstverständlich wurden wir auch über Bordlautsprecher als diese begrüsst. Drinks gab es auch gratis. Hans-Martin Amrein, TYC-Mitglied und easyJet-Pilot hat das offensichtlich arrangiert. Vielen Dank, so ein VIP-Leben lassen wir uns schon bieten.
Wollt Ihr noch die Geschichte vom Kilchenmann hören? Er will das aber nicht L, ich gebe die Stichworte: Flug am Samstag um 06:25, keine ID beim Einchecken, Rückfahrt nach Thun, diese holen, zurück nach Zürich, mit ID einchecken, Flug nach Barcelona, immerhin flotte 20 Minuten Umsteigezeit (ist ja nur ein Regionalflughafen) und mit bloss zwölf Stunden Verspätung kann der Jiri den Peschi in Alicante abholen. Ob das etwas gekostet hat? Sorry – einen Kollegen verspotten, der den Schaden hat, das liegt mir nicht!

Kapitel drei – die Tage davor

Mit den Mietwagen und den Navy’s von Thömu und Hans waren wir im Nu in Los Alcazares, 91 Kilometer unterhalb von Alicante.
Am Freitag war Abladen und Vermessen angesagt. Abladen ging also schneller. (Zitat von Thömu: Schneller als die Italiener, ruhiger als die Italiener, billiger als die Italiener (ohne Kran). Den Lastwagen liessen wir grad zwischen Yachtclub und Tapas Bar unter Palmen stehen, so ein bisschen Schweizer Heimat. Die meisten gingen vermessen und Helmut und ich gönnten uns eine Siesta. Nach der Siesta fragte ich, wie das Vermessen geht und 10 Minuten später war das erledigt – absolut spitzenmässig, nur Stichproben. Die Erkenntnis ist klar: In Spanien geht es mit einer Siesta noch einmal ringer.
Dann noch die Angelegenheit mit dem Montieren der Nummern. Auf meine Frage, ob es irgendwelche Vorschriften gebe, sagte Bruno, der das erste Mal an einem internationalen Event teilnahm: «Kein Problem, du kannst sie ruhig ganz vorne aufkleben, da ist nichts vorgeschrieben». Das Ergebnis kann in der Rangliste nachgeschaut werden, mindestens einer von den DNC ist nämlich ein Frühstart…
Jedenfalls haben die Jungs die Nummern aufgeklebt und gingen ins Bier. So wie sie diese aufgeklebt hatten, gewann man allerdings den Eindruck, dass sie vorher auch schon im Bier gewesen waren. Jiri wollte mich deshalb an seinem Finntraining für die Sequenz «wie klebe ich eine Bootsnummer ohne Luftblasen auf» engagieren. Dabei ist das ganz einfach – alles genau anders machen als Jir…
Während meiner Siesta hat es angeblich gestürmt, unvorstellbar, nun war es wieder ruhig, vielleicht drei Beaufort. Bruno wollte einen Schlag machen, setzte Segel und der Wind wurde stärker. Trotzdem lief er aus, eine Wende, zwei Wenden, eine Kuhwende und schon kam er zurück in meine Arme – innert fünf Minuten hatten wir runde sechs Beaufort im Hafen und wir ahnten, dass diese Lagune vielleicht doch nicht die erhoffte Leichtwindpfütze ist, von der man uns im Vorfeld der Master geschwärmt hatte. Deshalb verzichteten wir auf weitere Trainingsschläge an diesem Tag und die ehrgeizigen unter uns beschlossen, auf den Trip nach Valencia zu verzichten, damit wir diese am Samstag nachholen könnten.
Bruno, Carlo und seine Frauen sowie Chrigu, unser Chauffeur (wenn der segeln könnte, dann wäre das ein guter Finnsegler – würde zu uns passen – den nehmen wir noch mehr mit!) besuchten die Alinghi-Basis und segelten mit der SUI 75 eine Stunde rum. Gut, wenn wir das gewusst hätten…. Aufgrund der schlechten Erfahrung der Holländer und von Werner Beuck übten sie unterwegs noch das «Überfallen-Werden». Natürlich nur für die Kamera – die Jungen kommen wirklich auf komische Ideen. Jedenfalls sollten sie sich in Zukunft schon seriöser auf eine grosse Regatta vorbereiten, eine Stunde SUI 75 genügt da einfach nicht, AC ist nicht Masters!
Die Zuhausegebliebenen machten um 12.00 Uhr ab und brachten es fertig, relativ geschlossen innerhalb von 45 Minuten auszulaufen. Der Unterschied zum Thunersee ist einfach der, dass man sich nicht mehr findet und so segelten wir nur in Zweierpäcklein. Nach kurzem Einsegeln gingen Hans und ich zur Sache und kreuzten kurz mal über die Lagune. Nach fünf viertel Stunden Hängen gaben wir dieses Unterfangen auf und rauschten Vorwind zurück – es war ein unbeschreiblich schöner Segeltag.
Res und Thömu erlebten es auch so. Stutzig liess uns werden, dass Res am Abend etwas vom Altersunterschied gegenüber Thömu zu murmeln anhub. Das liess bei uns den Verdacht keimen, dass Thömu extrem schnell unterwegs war….
Deshalb waren wir gespannt auf das Tun up Race – wer war da wohl wie schnell? Auslaufen war nicht so einfach. Caprice und Priska machten sich einen Spass daraus, den Bumi beim Stier, sorry beim Finnkampf, zu filmen. Jedenfalls gab der Gescheitere nach und ich konnte doch noch auslaufen. Die Geschichte vom Tune up kann ich kurz machen: Bei Abbruch des Rennens lag ich an siebenter Stelle! Allerdings muss ich doch kurz ausholen: Der erste Start war ein allgemeiner Frühstart, das wurde vom Feld einfach ignoriert! Deshalb waren wir nur zehn, die zum gültigen Lauf starteten, drei gaben auf der ersten Kreuz auf und das lässt meinen siebten Platz doch ein wenig anders aussehen…. Gemäss Jiri hatte es max. 4 – 5 Beaufort, ich schätzte eher gegen sieben. Staunen musste ich einfach über den Teilnehmer vor mir, Didier Poissant, der mit seinen 83 Jahren gegen mich keine Mühe bekundete und mir Raumschots die Lehre des Lebens erteilte! Und am Dienstag setzte er noch einen drauf – er bestellte sich ein nigelnagelneues Devoti – he Jungs, unterbrecht das Lesen von diesem Bericht und ruft den Wilke an – Ihr braucht neue Boote! Kein neues Boot, aber einen neuen Mast braucht Thomas. Irgendwie hatte er an der Kreuz schon so das Gefühl, zuviel Mastfall zu haben. Vorwind rauschte er ab und plötzlich wurde es ganz ruhig – wie früher auf dem Star, wenn der Mast gebrochen ist. Thömu durfte nun die Erfahrung machen, dass dieses Feeling auf dem Finn gleich ist – Höhe Deck ohne Fremdeinwirkung einfach gebrochen (siehe Fotos, der Mast entlang der Mauer). Res wirkte am Abend relaxter, die schnelle Konkurrenz aus der Familie war zurückgebunden. In der guten Laune erzählte er uns einen guten Witz – wenn Ihr ihn wissen wollt, dann müsst Ihr Lucie nach dem «Wikingerwitz» fragen – Res hat uns versprochen, dass er ihn ihr auch mal erzählen wird, auch wenn er sich aus unerklärlichen Gründen dagegen sträubt…
Jedenfalls hatten wir den Mast von Marc als Reserve dabei und Thömu montierte ihn.
Da kann ich wieder mal was von Masten und Kurven erzählen – es handelt sich dabei um den Mast, der für Marianne Hunziker gebaut wurde. Marianne ist rund 40 Kilo leichter als Thömu. Aber, wie wir im Laufe der Woche feststellen durften, Geschwindigkeitsprobleme gab das keine.

So, die Einleitung ist vorbei – hier der Regattabericht:

Am ersten Tag war nur ein Lauf geplant. Auf dem Vorwind freute ich mich schon aufs Bier, das mit der Gewissheit, bis auf Helmut alle Schweizer und viele andere auch hinter mir zu wissen, noch besser schmecken würde. Stutzig werden liess mich der Umstand, dass mir die Führenden auf der Kreuz im Gleiter entgegenkamen – und ich segelte doch mit einem flotten Vierer Vorwind! 30 Sekunden später segelte ich nicht mehr Vorwind, sondern an der Kreuz und der sehr kompetente Wettfahrtleiter schoss den Lauf ab. Helmut lag zu diesem Zeitpunkt an 21. Stelle. Eigentlich waren wir schon müde, aber wir mussten warten, bis der Wind eingependelt hatte und starteten mit 16 Knoten einen gültigen Lauf. Res Roost kam mit den Verhältnissen am besten zu Recht (49.), dann Hans, Jiri, ich und Carlo. Die anderen bogen irgendwann mal in den Hafen ab, entweder hatten sie Angst um den Mast (Thömu), das Ruderblatt ging flöten (Helmut), schonten sich gemäss ärztlicher Empfehlung (Peschi) oder zahlten erst mal Lehrgeld in einem grossen Feld.

Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier. Bei Jiri kam noch ein Ponstan dazu, er hatte sich völlig verausgabt mit Hängen und dabei den Schreibenden so locker verräumt, dass der ein Bier mehr brauchte.

Zweiter Tag, zwei Races sind angesagt: Schon bei meinem Morgenbad stellte ich fest, dass es sehr viel Wind hatte. Dieser drehte zwar und zum Auslaufen war es noch menschlich, aber dann segelten wir zwei Läufe bei 16 – 20 Knoten und produzierten noch etliche (glaube vier) Frühstarts und einen an der Luvtonne abgeschossen Lauf. Anders gesagt, um 19.30 Uhr kamen wir hundemüde in den Hafen und sollten uns wegen einem Stierkampf noch beeilen.
Wir änderten das Programm: Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier. Dabei die Geschehnisse des Tages besprechen: Schnell waren Thomas, Carlo und Helmuth, alle BFD! (Kommentar von Thömu: «Die neue Schweizer Flagge ist offensichtlich schwarz…»). Hans hatte einen 40 und 61, Res 85 und 59, ich übernahm den geliebten Schreiberposten mit 73 und 82, Jiri 104, 87 und aufgrund der Verfolgungsjagd gegen den Bumi noch ein Ponstan, Pesche meldete mit Missachtung der ärztlichen Ratschläge und den Rängen 107 und 81 auch noch Ambitionen auf das Schreiben an. Bruno versegelte sich im ersten Lauf und musste einen weiteren DNC hinnehmen. Doch im zweiten Lauf drehte er auf und beendete ihn auf Rang 98.
Mittwoch: Wie jeden Morgen im grossen Saal Morgenessen. Hatte ich bislang lächelnd die Schlacht am Buffet mit gut gefülltem Magen beobachtet, verpasste ich wegen zu langem Schwimmen in der Lagune die Innenposition um die Spiegeleier und musste mich mit Rührei zufrieden geben. Was das heisst, verstehen nur noch Insider. Und wenn Ihr mich verstehen wollt, macht doch mal Rühreier mit Essig! Die anderen lachten hämisch, immerhin zeigte ich meine gute Kinderstube und würgte das Zeugs runter, das haben dann nicht alle geschafft. Zu allem Überdruss ging noch meine Lieblingskaffeemaschine flöten – es war einfach nicht mein Tag.
Die Stimmung beim Morgenessen kann mit drei zufällig ausgewählten Zitaten einer zufällig ausgewählten Familie beschrieben werden: Ehefrau: Ist Sohn eigentlich schon auf? Ehemann: Heute habe ich die Spiegeleier verpasst! Sohn: Das hat man davon, wenn man mit den Eltern in die Ferien geht…. Carlo von nebenan: Wie geht jetzt der Witz vom Wikinger?
An der Mastersitzung, ich kam eine Viertelstunde zu spät und war damit mit Abstand der erste, durfte ich in der ersten Reihe sitzen und auf Jiris Foto kann man schön sehen, wie der Sportchef vom Präsident vom TYC unterstützt wird…. Jedenfalls wurde dort beschlossen, dass die Masters in zwei Jahren in Maubuisson und in drei Jahren in Split durchgeführt wird. Holland für das nächste Jahr war ja schon bekannt. (Das Wochenende vor den Masters gibt es in Steinhude eine grosse Jubiläumsregatta) Die Sitzung war wie immer von der Geschichte vom Turmbau zu Babel geprägt und die Übersetzung von Hank sorgte wie immer für Verwirrung und Heiterkeit.
Ein Votum war, dass wir an diesem Tag nur einen Lauf segeln sollen. Da nicht alle mit den Schmerzmittelchen von Jiri versorgt wurden, entsprach der Wettfahrtleiter diesem Anliegen.

Es gab einen schönen Lauf bei wenig Wind, nur etwa 3 – 4 Beaufort, man konnte also noch hängen. Es segelten auch fast alle Schweizer fertig und wir waren im hinteren Mittelfeld gut vertreten. Einzig Carlo zog es an Land, er wollte seine Frauen wieder mal für sich haben. Bruno hat beim Kursstudium gefehlt und segelte am, zugegebenermassen sehr schmalen, Ziel vorbei. Das ist am Vortag übrigens schon Heinzi passiert.
Jedenfalls hatten wir früh fertig und überlegten uns, was nun zu tun sei und fanden eine geniale Lösung: Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier geniessen.

Wie jeden Abend gingen wir abends essen (wird von mir nicht immer erwähnt, da ich mich ja kurz fasse) und wir trafen es auch immer gut. Doch an diese Abend war es Spitze! Und wenn Trübsal aufkam, da fragte der Carlo einfach den Res, ob er nun Lucie den Witz vom Wikinger erzählt hat und dann kam relativ rasch Stimmung in die Bude (Aus Platzgründen schreibe ich den Witz nicht auf, fragt Lucie). Inzwischen haben sich alle, ausser dem Schreiber, angewöhnt, zum Schluss noch einen oder mehrere Copa di Magnos zu nehmen – das hat sich gegen Magenverstimmung und Muskelkater besser bewährt als Jiris Ponstan. Dass man nun in der Apotheke Ischi in Bern Magno gegen Rezept erhält, ist aber frei erfunden. Allerdings schlägt sich diese Gewohnheit nicht bei allen in positiver Art und Weise in der Rangliste nieder.

Donnerstag

Scheisswind, sorry, aber ich habe langsam die Schnauze voll. Pünktlich zum Start haben wir wieder 18 Knoten (ich schätze etwa 25…). Ich hasse diesen Wind (sorry für das Klauen vom Zitat, stammt von Locher Pesche) und ich kann ihn nicht segeln. Aber dann kommt mir in den Sinn, dass ich jetzt den 6. Tag auf dieser Windpfütze verbringe und ich nun eigentlich wieder wissen sollte, wie das geht. Also suche ich mir die Angstgegnerin von den Schweizerkollegen aus (eine wunderbare Frau, die mir die meisten Kollegen vom Hals hält, schlicht, weil sie bei Wind besser segelt als wir Schweizer) und starte unter ihr durch. Und tatsächlich, endlich mal erster Schweizer am ersten Fass. Und nun flaut doch noch der Wind ab – gemeinsam mit Pesche Kilchenmann rollen wir das Feld von hinten auf – bei hoher Welle und relativ wenig Wind und nur 77 Kilo auf der Kante, da fliegt das Boot. Mit einem 58 Rang (Pesche 66) greife ich Res an und rechne mir gute Chancen aus, ihm den Kugelschreiber zu übergeben. Im nächsten Lauf sah es noch besser aus, Bumi vorne, dann schob es auf dem Vorwind zusammen, schön links fahren bis Höhe Tonne, halsen und von 100 Booten Innenposition verlangen! Tonne runden und Ziel anlegen – leider ist der Wettfahrtleiter immer noch sehr kompetent und schiesst schon wieder ab. Aber es fehlen nur noch 19 Punkte. Res – ich komme, aber zuerst:
Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier geniessen.
Anschliessend noch Paella und dann gehen wir halt trotzdem noch mal richtig essen – man gönnt sich ja sonst nichts.

Freitag, die Kaffeemaschine ist noch nicht geflickt, aber ich gewinne wieder mit einem geschickten Unterzug ein paar Spiegeleier und es könnte mein Tag werden. Hab ich schon gesagt, dass der Wettfahrtleiter kompetent ist? Er hielt sich in unspanischer Manier an den Zeitplan und brachte so tatsächlich noch zwei Läufe zustande. 16 Knoten waren uns nun schon fast zur lieben Gewohnheit geworden und dass es am Start noch ein bisschen auffrischte, war wie das Aromat auf einem Schweizer Frühstücksei. Natürlich wollte ich diesmal nicht nur einen guten, sondern einen sehr guten Start. Deshalb startete ich mit Buzdien im Lee und musste zu meiner Schande gestehen, dass ich nur den zweitbesten Start erwischte – der Typ segelt also wirklich gut. Oben am Luvfass war ich noch vor Res – aber am Vorabend hat er eben auch keinen Magno mehr genommen. Während ich auf dem spitzen Schenkel die Karre nicht ins Gleiten brachte, rauschte er von hinten an und war zwei Minuten später 100 Meter vor mir. «Good by old Master», schreibe halt definitiv ich! Res segelte einen 52, Hans 57 und ich 69 – das Schweizer Klassement war erstellt und im letzten Lauf ging es nur noch um Gesprächstoff an der Tapasbar. Zum Schluss noch ein angenehmer Wind, mein Berichterstatter sprach von 12 Knoten. Mein bester Start von der ganzen Serie in der Mitte (Carlo war besser, man beachte seinen Rang… = ocs). Ich wusste nicht, welches Feld ich kontrollieren sollte und fuhr durch die Mitte – mit dem Ergebnis, das mir beide Felder durchgingen.... Mit der Wut des Geprellten gab es dafür zwei wunderschöne Raumschenkel, das gute alte olympische Dreieck macht einfach Spass! Und wenn man so von hinten kommt, dann sieht man alle seine Finnkollegen und wir hatten noch gute Fights. Der Thömu wollte mich partout nicht durchlassen und machte eine Kreuzwende kurz vor der Luvtonne, offenbar hat er die dem Helmut abgeguckt. Ich hörte eine unziemliche Wortfolge und ein schwimmendes Ruderblatt. Kommt davon, wenn man Ruderblätter mit zu viel Auftrieb verwendet und sich bei der Wende noch draufsetzt…
Kurz vor dem Ziel habe ich sogar noch den Pesche abfangen können, aber auf den letzten 50 Meter gelang ihm das Husarenstück, mich zurück zu überholen und noch fünf Boote zwischen uns zu stellen – offensichtlich scheint er sich von Operation, Stimmproblemen und Flugstress bestens erholt zu haben.

Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier geniessen. Thomas Roost, einer alten TYC-Familie entstammend, erlaubte dem Kandidat Marti, ihn in Zukunft zu duzen. Es sollen sich einige Finnsegler über unsere guten alten Anstandsregeln schon ein bisschen gewundert haben. Aber auch das ist eine Art Insiderwitz, fast wie der vom Wikinger, aber wie gesagt, da müsst Ihr Lucie fragen.

Und dann kam das, was halt auch dazugehört: Boote aufladen (stöhn). Es ging schneller, aber brauchte immer noch Zeit und Kraft. Jedenfalls waren die Italiener noch schneller. Und da wir wegen dem Sonntagsfahrverbot erst am Montag abladen konnten, entschlossen wir uns, Bruderherz Nö für seinen Kran anzufragen. Das war vermutlich die beste Idee der Woche, nebst dem Kran ist Nö auch kräftiger als wir alle zusammen – wir müssen ihn in Zukunft unbedingt wieder mit an die Masters schleipfen. Jedenfalls, bitte das Bild vom Abladen beachten und herzlichen Dank an die Firma Baumann und beachtet seine Werbung im Gischt!
Zurück nach Spanien: Die Podeste für die Legends waren ein bisschen hoch, sollten hydraulisch angefertigt sein. Wir bauen aber den Helmut Klammer auf, dass er in drei Jahren in dieser Kategorie angreifen kann, er hat sich schon ein neues Boot angelacht. Allerdings besteht der Hauptgrund für diesen Kauf darin, dass er nächstes Jahr auch mit Sohn Till an die Masters fahren will.

Am Abend noch einmal essen, die Frauen haben für uns ein neues Restaurant gefunden. Am Samstagmorgen werden wir von Chrigus Lastwagen geweckt. Marianne und Hans fahren ebenfalls mit dem Doppelhänger nach Hause (Vielen Dank an Kathrin, Marianne, Jiri und Hans!). Der Rest der «Reisegruppe Lazzari» fährt nach Alicante und fliegt bequem nach Hause.
Carlo hat, mit tatkräftiger Unterstützung von Caprice (hinter jedem starken Mann steckt eine starke Frau – einfach beim Segeln sind zwei dann zuviel…) eine wahnsinnige Arbeit geleistet – vielen Dank.

Ihr könnt solche Monsterberichte nur noch umgehen, indem Ihr mich in Zukunft gewinnen lässt – oder schlägt!
Zu guter Letzt noch Bumis Drohung: Nach dem ersten Rabbit-Abend liege ich wohl an welcher Stelle? Richtig, dritter…

Ruedi Baumann, SUI 57