Finn Masters 2007 – Das
Buch zum Film
(In Anspielung auf die 500 Fotos von Jiri)
24.06.2007
Meine sechste Masters, keine war schlecht – diese war der Hammer.
Darüber zu berichten ist aber eine erdrückende Last, einerseits
habe ich in der Tat die Befürchtung, etwas zu vergessen, anderseits
ist da die latente Gefahr, dass ich in der Länge übertreiben
könnte. Ich fasse mich kurz: (und für solche, die nur die
Fakten wollen – lest die erste Hälfte meines Presseberichts – mehr
braucht es nicht).
Angefangen hat das Ganze in Bracciano: Wir wussten, dass der Weg nach Murcia
weit sein würde und sahen die Holländer-Lösung mit dem Lastwagen.
Unseren Spinnereien, wie und wer da fahren könnte, setzte Carlo ein Ende
und machte mit Gafner Transporte von Thun Nägel mit Köpfen.
Gemäss
den Berechnungen sollten elf Finnjollen reinpassen. Also trafen sich am Dienstag
die meisten Teilnehmer der Masters zum raschen Verladen der Boote. Carlo hat
extra ein Gestell zusammengeschweisst und gemäss einem psychiatrisch geschulten
Hilfsarbeiter, der das ganze rüberschleppen half, war es ein bisschen zu
schwer geworden.
Umso überraschter war dieser Hilfsarbeiter beim Beladen des Trucks (den
zu zitieren ich mich noch ein paar Mal erlaube und bitte seine Mutter, wenn sie
den Bericht lesen sollte, halt ein wenig um Verzeihung – aber ich kann
nichts dafür,
dass er trotz elterlicher Begleitung so vorlaut war…), wie filigran das
Gestell plötzlich wurde. Ich konnte über diese Wortwahl nur staunen,
denn sie war absolut zutreffend. Der Chauffeur staunte nicht wirklich, murmelte
nur etwas über
Schlosser, die einem Autohändler zu dünne Stahlträger verkaufen
und ihr könnt Euch wohl denken, was da noch alles kam.
Wir luden das erste Boot ein und stellten fest, dass es zu breit war. Besitzer
Res, Vater des psychiatrisch geschulten Hilfsarbeiters und als Architekt mit
Massen vertraut, gab relativ überzeugend bekannt, dass sein Finn nicht zu
breit sei. Carlo erwiderte, er habe die Breite dem Messbrief entnommen und ein
Finn sei 1.50 m breit – basta! Wie Ihr alle wisst und Carlo nun auch:
Die Scheuerlisten sind im Messbrief in der Breite nicht enthalten und dürfen
je 3 cm sein − somit fehlte uns 1 cm… (die entsprechenden Kommentare
zu dieser Erkenntnis erspare ich mir aus Zeit-, Platz- und Anstandsgründen).
Jedenfalls zeigte Carlo nun, was eine Harke ist. Er holte Alteisen aus seinem
Geschäft, Hans Fatzer holte bei Blicki eine Trennscheibe und irgendwann
gegen 23.00 Uhr waren neun Finns verladen, die Altersheiminsassen noch wach und
Chauffeur Chrigu mit dem Gestell so einigermassen zufrieden. Und das Wundern über
die Finnsegler hatte er sich schon ein bisschen abgewöhnt…
Zwei Finns waren zuviel. Jiri gewann die Diskussion, wer mit diesen nach Murcia
fahren durfte, allerdings nur mit dem Angebot von Hans, dass er die Fracht zurückfahren
kann… Die Diskussion, ob alle elf Finns auf dem Laster Platz hätten,
dauert übrigens
noch an. Beim Beladen war nicht zu verkennen, was für Berufe die einzelnen
Segler so ausübten. Insbesondere Jiri, der beim Slipwagen ein Rad abnehmen
wollte, liess routiniert den Befehl «Zange» erschallen und nach
getaner Operation war es wohl kein Zufall, dass ihm noch das Wort «Tupfer» rausrutschte.
Dass Thömu kein Zahnarzt ist, wussten wir. Auf den Befehl von Carlo, in
das filigrane Gestell ein Loch zwecks Anbringung einer Verstärkung zu bohren,
bestand er darauf, dass er Psychiater sei. Immerhin, wie er drei Stunden später
anlässlich der Mitternachtspizza bekannt gab, ein Psychiater, der jetzt
auch Stahl bohren könne! Er machte der Finnflotte noch beliebt, den Antrag
für eine Flutlichtanlage auf dem Parkplatz zu stellen, schliesslich muss
er beim Bohren etwas sehen. Über diesen Antrag wurde noch nicht befunden,
aber Präsident und Vize vom TYC veranlassten aufgrund der nächtlichen
Aktivitäten einen Entschuldigungsbrief an die Nachbarn – bedankt Euch
bei Gelegenheit bei Verfasser Chrigu Strübin für diese Tat.
So, nun wollt Ihr was vom Segeln lesen? Zuerst kommt die Reise (Ich
wusste, dieser Bericht wird zu lang).
Thömu formuliert es so: Flying with easyJet seems pretty easy
(as long as you’re not called Kilchenmann).
Wir trafen uns am Donnerstag gegen Abend in Basel am Flughafen, die
Segler vom TYC (Res und Lucie, Bruno, Helmut, Carlo mit Caprice und
Priska (keine Fragen stellen – der Carlo ist einfach mehr Frauen-
denn Seglerheld und die Rezeptionistin hat dies auch festgestellt).
Thomas und ich, dazu Hans und Marianne vom Boden- und Helmut und Ruth
Ziereis von Waginger See. Es war schon ein spezielles Gefühl,
wie die einzelnen so daher kamen, richtig wie eine geführte Wandergruppe.
Lässig wurde es beim Einschecken, 11 Kilo war mein Koffer, dafür
kein Handgepäck. Als ich die Werte der anderen sah, hab ich mich
gefragt, was ich alles vergessen habe.
Im Flugzeug waren Plätze für die Schweizer Delegation der
Finn-Masters reserviert – selbstverständlich wurden wir
auch über Bordlautsprecher als diese begrüsst. Drinks gab
es auch gratis. Hans-Martin Amrein, TYC-Mitglied und easyJet-Pilot
hat das offensichtlich arrangiert. Vielen Dank, so ein VIP-Leben lassen
wir uns schon bieten.
Wollt Ihr noch die Geschichte vom Kilchenmann hören? Er will das
aber nicht L, ich gebe die Stichworte: Flug am Samstag um 06:25,
keine ID beim Einchecken, Rückfahrt nach Thun, diese holen, zurück
nach Zürich, mit ID einchecken, Flug nach Barcelona, immerhin
flotte 20 Minuten Umsteigezeit (ist ja nur ein Regionalflughafen) und
mit bloss zwölf Stunden Verspätung kann der Jiri den Peschi
in Alicante abholen. Ob das etwas gekostet hat? Sorry – einen
Kollegen verspotten, der den Schaden hat, das liegt mir nicht!
Kapitel drei – die Tage davor
Mit den Mietwagen und den Navy’s von Thömu und Hans
waren wir im Nu in Los Alcazares, 91 Kilometer unterhalb von Alicante.
Am Freitag war Abladen und Vermessen angesagt. Abladen ging also schneller.
(Zitat von Thömu: Schneller als die Italiener, ruhiger als die
Italiener, billiger als die Italiener (ohne Kran). Den Lastwagen liessen
wir grad zwischen Yachtclub und Tapas Bar unter Palmen stehen, so ein
bisschen Schweizer Heimat. Die meisten gingen vermessen und Helmut
und ich gönnten uns eine Siesta. Nach der Siesta fragte ich, wie
das Vermessen geht und 10 Minuten später war das erledigt – absolut
spitzenmässig, nur Stichproben. Die Erkenntnis ist klar: In Spanien
geht es mit einer Siesta noch einmal ringer.
Dann noch die Angelegenheit mit dem Montieren der Nummern. Auf meine
Frage, ob es irgendwelche Vorschriften gebe, sagte Bruno, der das erste
Mal an einem internationalen Event teilnahm: «Kein Problem,
du kannst sie ruhig ganz vorne aufkleben, da ist nichts vorgeschrieben».
Das Ergebnis kann in der Rangliste nachgeschaut werden, mindestens
einer von den DNC ist nämlich ein Frühstart…
Jedenfalls haben die Jungs die Nummern aufgeklebt und gingen ins Bier.
So wie sie diese aufgeklebt hatten, gewann man allerdings den Eindruck,
dass sie vorher auch schon im Bier gewesen waren. Jiri wollte mich
deshalb an seinem Finntraining für die Sequenz «wie klebe
ich eine Bootsnummer ohne Luftblasen auf» engagieren. Dabei ist
das ganz einfach – alles genau anders machen als Jir…
Während meiner Siesta hat es angeblich gestürmt, unvorstellbar,
nun war es wieder ruhig, vielleicht drei Beaufort. Bruno wollte einen
Schlag machen, setzte Segel und der Wind wurde stärker. Trotzdem
lief er aus, eine Wende, zwei Wenden, eine Kuhwende und schon kam er
zurück in meine Arme – innert fünf Minuten hatten wir
runde sechs Beaufort im Hafen und wir ahnten, dass diese Lagune vielleicht
doch nicht die erhoffte Leichtwindpfütze ist, von der man uns
im Vorfeld der Master geschwärmt hatte. Deshalb verzichteten wir
auf weitere Trainingsschläge an diesem Tag und die ehrgeizigen
unter uns beschlossen, auf den Trip nach Valencia zu verzichten, damit
wir diese am Samstag nachholen könnten.
Bruno, Carlo und seine Frauen sowie Chrigu, unser Chauffeur (wenn der
segeln könnte, dann wäre das ein guter Finnsegler – würde
zu uns passen – den nehmen wir noch mehr mit!) besuchten die
Alinghi-Basis und segelten mit der SUI 75 eine Stunde rum. Gut, wenn
wir das gewusst hätten…. Aufgrund der schlechten Erfahrung
der Holländer und von Werner Beuck übten sie unterwegs noch
das «Überfallen-Werden». Natürlich nur für
die Kamera – die Jungen kommen wirklich auf komische Ideen. Jedenfalls
sollten sie sich in Zukunft schon seriöser auf eine grosse Regatta
vorbereiten, eine Stunde SUI 75 genügt da einfach nicht, AC ist
nicht Masters!
Die Zuhausegebliebenen machten um 12.00 Uhr ab und brachten es fertig,
relativ geschlossen innerhalb von 45 Minuten auszulaufen. Der Unterschied
zum Thunersee ist einfach der, dass man sich nicht mehr findet und
so segelten wir nur in Zweierpäcklein. Nach kurzem Einsegeln gingen
Hans und ich zur Sache und kreuzten kurz mal über die Lagune.
Nach fünf viertel Stunden Hängen gaben wir dieses Unterfangen
auf und rauschten Vorwind zurück – es war ein unbeschreiblich
schöner Segeltag.
Res und Thömu erlebten es auch so. Stutzig liess uns werden, dass
Res am Abend etwas vom Altersunterschied gegenüber Thömu
zu murmeln anhub. Das liess bei uns den Verdacht keimen, dass Thömu
extrem schnell unterwegs war….
Deshalb waren wir gespannt auf das Tun up Race – wer war da wohl
wie schnell? Auslaufen war nicht so einfach. Caprice und Priska machten
sich einen Spass daraus, den Bumi beim Stier, sorry beim Finnkampf,
zu filmen. Jedenfalls gab der Gescheitere nach und ich konnte doch
noch auslaufen. Die Geschichte vom Tune up kann ich kurz machen: Bei
Abbruch des Rennens lag ich an siebenter Stelle! Allerdings muss ich
doch kurz ausholen: Der erste Start war ein allgemeiner Frühstart,
das wurde vom Feld einfach ignoriert! Deshalb waren wir nur zehn, die
zum gültigen Lauf starteten, drei gaben auf der ersten Kreuz auf
und das lässt meinen siebten Platz doch ein wenig anders aussehen….
Gemäss
Jiri hatte es max. 4 – 5 Beaufort, ich schätzte eher gegen
sieben. Staunen musste ich einfach über den Teilnehmer vor mir,
Didier Poissant, der mit seinen 83 Jahren gegen mich keine Mühe
bekundete und mir Raumschots die Lehre des Lebens erteilte! Und am
Dienstag setzte er noch einen drauf – er bestellte sich ein nigelnagelneues
Devoti – he Jungs, unterbrecht das Lesen von diesem Bericht und
ruft den Wilke an – Ihr braucht neue Boote! Kein neues Boot,
aber einen neuen Mast braucht Thomas. Irgendwie hatte er an der Kreuz
schon so das Gefühl, zuviel Mastfall zu haben. Vorwind rauschte
er ab und plötzlich wurde es ganz ruhig – wie früher
auf dem Star, wenn der Mast gebrochen ist. Thömu durfte nun die
Erfahrung machen, dass dieses Feeling auf dem Finn gleich ist – Höhe
Deck ohne Fremdeinwirkung einfach gebrochen (siehe Fotos, der Mast
entlang der Mauer). Res wirkte am Abend relaxter, die schnelle Konkurrenz
aus der Familie war zurückgebunden. In der guten Laune erzählte
er uns einen guten Witz – wenn Ihr ihn wissen wollt, dann müsst
Ihr Lucie nach dem «Wikingerwitz» fragen – Res hat
uns versprochen, dass er ihn ihr auch mal erzählen wird, auch
wenn er sich aus unerklärlichen Gründen dagegen sträubt…
Jedenfalls hatten wir den Mast von Marc als Reserve dabei und Thömu
montierte ihn.
Da kann ich wieder mal was von Masten und Kurven erzählen – es
handelt sich dabei um den Mast, der für Marianne Hunziker gebaut
wurde. Marianne ist rund 40 Kilo leichter als Thömu. Aber, wie
wir im Laufe der Woche feststellen durften, Geschwindigkeitsprobleme
gab das keine.
So, die Einleitung ist vorbei – hier der Regattabericht:
Am ersten Tag war nur ein Lauf geplant. Auf dem Vorwind freute ich
mich schon aufs Bier, das mit der Gewissheit, bis auf Helmut alle Schweizer
und viele andere auch hinter mir zu wissen, noch besser schmecken würde.
Stutzig werden liess mich der Umstand, dass mir die Führenden
auf der Kreuz im Gleiter entgegenkamen – und ich segelte doch
mit einem flotten Vierer Vorwind! 30 Sekunden später segelte ich
nicht mehr Vorwind, sondern an der Kreuz und der sehr kompetente Wettfahrtleiter
schoss den Lauf ab. Helmut lag zu diesem Zeitpunkt an 21. Stelle. Eigentlich
waren wir schon müde, aber wir mussten warten, bis der Wind eingependelt
hatte und starteten mit 16 Knoten einen gültigen Lauf. Res Roost
kam mit den Verhältnissen am besten zu Recht (49.), dann Hans,
Jiri, ich und Carlo. Die anderen bogen irgendwann mal in den Hafen
ab, entweder hatten sie Angst um den Mast (Thömu), das Ruderblatt
ging flöten (Helmut), schonten sich gemäss ärztlicher
Empfehlung (Peschi) oder zahlten erst mal Lehrgeld in einem grossen
Feld.
Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier. Bei
Jiri kam noch ein Ponstan dazu, er hatte sich völlig verausgabt
mit Hängen und dabei den Schreibenden so locker verräumt,
dass der ein Bier mehr brauchte.
Zweiter Tag, zwei Races sind angesagt: Schon bei meinem Morgenbad
stellte ich fest, dass es sehr viel Wind hatte. Dieser drehte zwar
und zum Auslaufen war es noch menschlich, aber dann segelten wir zwei
Läufe bei 16 – 20 Knoten und produzierten noch etliche (glaube
vier) Frühstarts und einen an der Luvtonne abgeschossen Lauf.
Anders gesagt, um 19.30 Uhr kamen wir hundemüde in den Hafen und
sollten uns wegen einem Stierkampf noch beeilen.
Wir änderten das Programm: Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen
lassen, Tapas und Bier. Dabei die Geschehnisse des Tages besprechen:
Schnell waren Thomas, Carlo und Helmuth, alle BFD! (Kommentar von Thömu: «Die
neue Schweizer Flagge ist offensichtlich schwarz…»). Hans
hatte einen 40 und 61, Res 85 und 59, ich übernahm den geliebten
Schreiberposten mit 73 und 82, Jiri 104, 87 und aufgrund der Verfolgungsjagd
gegen den Bumi noch ein Ponstan, Pesche meldete mit Missachtung der ärztlichen
Ratschläge und den Rängen 107 und 81 auch noch Ambitionen
auf das Schreiben an. Bruno versegelte sich im ersten Lauf und musste
einen weiteren DNC hinnehmen. Doch im zweiten Lauf drehte er auf und
beendete ihn auf Rang 98.
Mittwoch: Wie jeden Morgen im grossen Saal Morgenessen. Hatte ich bislang
lächelnd die Schlacht am Buffet mit gut gefülltem Magen beobachtet,
verpasste ich wegen zu langem Schwimmen in der Lagune die Innenposition
um die Spiegeleier und musste mich mit Rührei zufrieden geben.
Was das heisst, verstehen nur noch Insider. Und wenn Ihr mich verstehen
wollt, macht doch mal Rühreier mit Essig! Die anderen lachten
hämisch, immerhin zeigte ich meine gute Kinderstube und würgte
das Zeugs runter, das haben dann nicht alle geschafft. Zu allem Überdruss
ging noch meine Lieblingskaffeemaschine flöten – es war
einfach nicht mein Tag.
Die Stimmung beim Morgenessen kann mit drei zufällig ausgewählten
Zitaten einer zufällig ausgewählten Familie beschrieben werden:
Ehefrau: Ist Sohn eigentlich schon auf? Ehemann: Heute habe ich die
Spiegeleier verpasst! Sohn: Das hat man davon, wenn man mit den Eltern
in die Ferien geht…. Carlo von nebenan: Wie geht jetzt der Witz
vom Wikinger?
An der Mastersitzung, ich kam eine Viertelstunde zu spät und war
damit mit Abstand der erste, durfte ich in der ersten Reihe sitzen
und auf Jiris Foto kann man schön sehen, wie der Sportchef vom
Präsident vom TYC unterstützt wird…. Jedenfalls wurde
dort beschlossen, dass die Masters in zwei Jahren in Maubuisson und
in drei Jahren in Split durchgeführt wird. Holland für das
nächste Jahr war ja schon bekannt. (Das Wochenende vor den Masters
gibt es in Steinhude eine grosse Jubiläumsregatta) Die Sitzung
war wie immer von der Geschichte vom Turmbau zu Babel geprägt
und die Übersetzung von Hank sorgte wie immer für Verwirrung
und Heiterkeit.
Ein Votum war, dass wir an diesem Tag nur einen Lauf segeln sollen.
Da nicht alle mit den Schmerzmittelchen von Jiri versorgt wurden, entsprach
der Wettfahrtleiter diesem Anliegen.
Es gab einen schönen Lauf bei wenig Wind, nur etwa 3 – 4
Beaufort, man konnte also noch hängen. Es segelten auch fast alle
Schweizer fertig und wir waren im hinteren Mittelfeld gut vertreten.
Einzig Carlo zog es an Land, er wollte seine Frauen wieder mal für
sich haben. Bruno hat beim Kursstudium gefehlt und segelte am, zugegebenermassen
sehr schmalen, Ziel vorbei. Das ist am Vortag übrigens schon Heinzi
passiert.
Jedenfalls hatten wir früh fertig und überlegten uns, was
nun zu tun sei und fanden eine geniale Lösung: Nach der Regatta
einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier geniessen.
Wie jeden Abend gingen wir abends essen (wird von mir nicht immer
erwähnt, da ich mich ja kurz fasse) und wir trafen es auch immer
gut. Doch an diese Abend war es Spitze! Und wenn Trübsal aufkam,
da fragte der Carlo einfach den Res, ob er nun Lucie den Witz vom Wikinger
erzählt hat und dann kam relativ rasch Stimmung in die Bude (Aus
Platzgründen schreibe ich den Witz nicht auf, fragt Lucie). Inzwischen
haben sich alle, ausser dem Schreiber, angewöhnt, zum Schluss
noch einen oder mehrere Copa di Magnos zu nehmen – das hat sich
gegen Magenverstimmung und Muskelkater besser bewährt als Jiris
Ponstan. Dass man nun in der Apotheke Ischi in Bern Magno gegen Rezept
erhält, ist aber frei erfunden. Allerdings schlägt sich diese
Gewohnheit nicht bei allen in positiver Art und Weise in der Rangliste
nieder.
Donnerstag
Scheisswind, sorry, aber ich habe langsam die Schnauze voll. Pünktlich
zum Start haben wir wieder 18 Knoten (ich schätze etwa 25…).
Ich hasse diesen Wind (sorry für das Klauen vom Zitat, stammt
von Locher Pesche) und ich kann ihn nicht segeln. Aber dann kommt mir
in den Sinn, dass ich jetzt den 6. Tag auf dieser Windpfütze verbringe
und ich nun eigentlich wieder wissen sollte, wie das geht. Also suche
ich mir die Angstgegnerin von den Schweizerkollegen aus (eine wunderbare
Frau, die mir die meisten Kollegen vom Hals hält, schlicht, weil
sie bei Wind besser segelt als wir Schweizer) und starte unter ihr
durch. Und tatsächlich, endlich mal erster Schweizer am ersten
Fass. Und nun flaut doch noch der Wind ab – gemeinsam mit Pesche
Kilchenmann rollen wir das Feld von hinten auf – bei hoher Welle
und relativ wenig Wind und nur 77 Kilo auf der Kante, da fliegt das
Boot. Mit einem 58 Rang (Pesche 66) greife ich Res an und rechne mir
gute Chancen aus, ihm den Kugelschreiber zu übergeben. Im nächsten
Lauf sah es noch besser aus, Bumi vorne, dann schob es auf dem Vorwind
zusammen, schön links fahren bis Höhe Tonne, halsen und von
100 Booten Innenposition verlangen! Tonne runden und Ziel anlegen – leider
ist der Wettfahrtleiter immer noch sehr kompetent und schiesst schon
wieder ab. Aber es fehlen nur noch 19 Punkte. Res – ich komme,
aber zuerst:
Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier geniessen.
Anschliessend noch Paella und dann gehen wir halt trotzdem noch mal
richtig essen – man gönnt sich ja sonst nichts.
Freitag, die Kaffeemaschine ist noch nicht geflickt, aber ich gewinne
wieder mit einem geschickten Unterzug ein paar Spiegeleier und es könnte
mein Tag werden. Hab ich schon gesagt, dass der Wettfahrtleiter kompetent
ist? Er hielt sich in unspanischer Manier an den Zeitplan und brachte
so tatsächlich noch zwei Läufe zustande. 16 Knoten waren
uns nun schon fast zur lieben Gewohnheit geworden und dass es am Start
noch ein bisschen auffrischte, war wie das Aromat auf einem Schweizer
Frühstücksei. Natürlich wollte ich diesmal nicht nur
einen guten, sondern einen sehr guten Start. Deshalb startete ich mit
Buzdien im Lee und musste zu meiner Schande gestehen, dass ich nur
den zweitbesten Start erwischte – der Typ segelt also wirklich
gut. Oben am Luvfass war ich noch vor Res – aber am Vorabend
hat er eben auch keinen Magno mehr genommen. Während ich auf dem
spitzen Schenkel die Karre nicht ins Gleiten brachte, rauschte er von
hinten an und war zwei Minuten später 100 Meter vor mir. «Good
by old Master», schreibe halt definitiv ich! Res segelte einen
52, Hans 57 und ich 69 – das Schweizer Klassement war erstellt
und im letzten Lauf ging es nur noch um Gesprächstoff an der Tapasbar.
Zum Schluss noch ein angenehmer Wind, mein Berichterstatter sprach
von 12 Knoten. Mein bester Start von der ganzen Serie in der Mitte
(Carlo war besser, man beachte seinen Rang… = ocs). Ich wusste
nicht, welches Feld ich kontrollieren sollte und fuhr durch die Mitte – mit
dem Ergebnis, das mir beide Felder durchgingen.... Mit der Wut des
Geprellten gab es dafür zwei wunderschöne Raumschenkel, das
gute alte olympische Dreieck macht einfach Spass! Und wenn man so von
hinten kommt, dann sieht man alle seine Finnkollegen und wir hatten
noch gute Fights. Der Thömu wollte mich partout nicht durchlassen
und machte eine Kreuzwende kurz vor der Luvtonne, offenbar hat er die
dem Helmut abgeguckt. Ich hörte eine unziemliche Wortfolge und
ein schwimmendes Ruderblatt. Kommt davon, wenn man Ruderblätter
mit zu viel Auftrieb verwendet und sich bei der Wende noch draufsetzt…
Kurz vor dem Ziel habe ich sogar noch den Pesche abfangen können,
aber auf den letzten 50 Meter gelang ihm das Husarenstück, mich
zurück zu überholen und noch fünf Boote zwischen uns
zu stellen – offensichtlich scheint er sich von Operation, Stimmproblemen
und Flugstress bestens erholt zu haben.
Nach der Regatta einlaufen, Boot stehen lassen, Tapas und Bier geniessen.
Thomas Roost, einer alten TYC-Familie entstammend, erlaubte dem Kandidat
Marti, ihn in Zukunft zu duzen. Es sollen sich einige Finnsegler über
unsere guten alten Anstandsregeln schon ein bisschen gewundert haben.
Aber auch das ist eine Art Insiderwitz, fast wie der vom Wikinger,
aber wie gesagt, da müsst Ihr Lucie fragen.
Und dann kam das, was halt auch dazugehört: Boote aufladen (stöhn).
Es ging schneller, aber brauchte immer noch Zeit und Kraft. Jedenfalls
waren die Italiener noch schneller. Und da wir wegen dem Sonntagsfahrverbot
erst am Montag abladen konnten, entschlossen wir uns, Bruderherz Nö für
seinen Kran anzufragen. Das war vermutlich die beste Idee der Woche,
nebst dem Kran ist Nö auch kräftiger als wir alle zusammen – wir
müssen ihn in Zukunft unbedingt wieder mit an die Masters schleipfen.
Jedenfalls, bitte das Bild vom Abladen beachten und herzlichen Dank
an die Firma Baumann und beachtet seine Werbung im Gischt!
Zurück nach Spanien: Die Podeste für die Legends waren ein
bisschen hoch, sollten hydraulisch angefertigt sein. Wir bauen aber
den Helmut Klammer auf, dass er in drei Jahren in dieser Kategorie
angreifen kann, er hat sich schon ein neues Boot angelacht. Allerdings
besteht der Hauptgrund für diesen Kauf darin, dass er nächstes
Jahr auch mit Sohn Till an die Masters fahren will.
Am Abend noch einmal essen, die Frauen haben für uns ein neues
Restaurant gefunden. Am Samstagmorgen werden wir von Chrigus Lastwagen
geweckt. Marianne und Hans fahren ebenfalls mit dem Doppelhänger
nach Hause (Vielen Dank an Kathrin, Marianne, Jiri und Hans!). Der
Rest der «Reisegruppe Lazzari» fährt nach Alicante
und fliegt bequem nach Hause.
Carlo hat, mit tatkräftiger Unterstützung von Caprice (hinter
jedem starken Mann steckt eine starke Frau – einfach beim Segeln
sind zwei dann zuviel…) eine wahnsinnige Arbeit geleistet – vielen
Dank.
Ihr könnt solche Monsterberichte nur noch umgehen, indem Ihr
mich in Zukunft gewinnen lässt – oder schlägt!
Zu guter Letzt noch Bumis Drohung: Nach dem ersten Rabbit-Abend liege
ich wohl an welcher Stelle? Richtig, dritter…
Ruedi Baumann, SUI 57 |