Jungfrautrophy 2007

15.06.2007

Im Bielerseebericht hätte ich nicht für das ganze Jahr plagieren müssen! Nun sitze ich doch an meinem ersten freien Abend seit langem da und sollte grad zwei Berichte schreiben. Man könnte es kurz machen, meine Segelsaison fing erst Mitte Mai an, Ende Mai hatte ich nach unzähligen Massen-Frühstarts, abgeschossenen Läufen, brütender Sonne und 16 Läufen, keiner unter drei Windstärken, aber auch nicht alle bei sechs Beaufort, eigentlich eine ganze Saison erlebt und könnte Brujita verde in den Winterschlaf schicken.
Da ich nach diesen Grobdaten Eure Fantasie doch nicht zu fest beanspruchen will, erzähle ich halt ein paar Schwänke aus meiner «Mai-Saison 2007» und fange mit der Jungfrautrophy an:
Da die meistgenannten Favoriten sich irgendwie selber schlagen würden, Thomas musste arbeiten, Kilchenmann war noch postoperativ angeschlagen und musste sich mal an das Finn und die wiedergewonnene Stimme gewöhnen, Wyss Hene ist auf dem Velo geübter denn je, Ändu hat noch sein Bielertrauma und würde mir sicher den Jiri vom Hals halten und den Fräne habe ich, gemäss tiefenpsychologischer Analyse von Pisli, eh schon mental zurückgebunden. So gab es natürlich nur mich als ernsten Favoriten. Insbesondere weil der Vorjahressieger noch am Basteln von seiner Neuerrungenschaft war (Typ Drachensegler im Winterschlaf).
Es war ein wunderschöner Tag mit guter Wetterprognose. Der Westwind kam erst gegen 15.00 Uhr und mit ihm der Gautschi Thomas (Damit erlitt meine Hochrechnung schon den ersten kleinen Kratzer…).
Trotzdem ging alles nach Drehbuch: starten, wenden, erster am Fass. Der Kilchenmann hielt sich nicht ganz an die Reihenfolge und wollte auf Angriff machen. Das Ergebnis war, dass Pisli sich anpirschen konnte und kräftig mitmischelte. Jedenfalls war ich froh, dass ich den ersten Lauf, den ich als Fünfzigjähriger auf dem Thunersee segelte, wie ein 49jähriger für mich entscheiden konnte. Danke Pisli, anschliessend wollte er mir keine Geschenke mehr machen. Der zweite Lauf entschied er zu seinen Gunsten, ich zweiter, Fräne dritter und sensationell vierter wurde Bruno Marti. Höhe läuft der nicht wirklich – aber eine Affengeschwindigkeit!
Der dritte Lauf – Res Roost gelang einen Superstart – fast so gut wie meiner. Nur meinte er nicht, alles noch besser machen zu müssen und setzte auf solide Taktik. Das brachte ihm einen Riesenvorsprung an der ersten Tonne. Wer sonst noch vorne war, kann ich nicht gross beschreiben. Dank meiner Supertaktik habe ich mich auf den elften Platz versegelt, etwa 18 Finnkollegen hatten Freude. Zum Glück «spinnte» der Wind noch ein wenig, das liess Res zwar auf den fünften Rang zurückfallen, gab mir aber auch eine Aufholchance. Pisli gewann vor Fräne und Ändu – ich musste erkennen, dass sie mich psychologisch zur Schnecke gemacht hatten.
Sonntag: Der Wind kam früher und mit ihm die Hoffnung. Aufgrund der Wind-Stärke (gegen vier Beaufort) testete ich einen anderen Trimm, der gemäss irgend einem Bargemurmel bei mehr Wind erfolgsversprechender und weniger anstrengend sein soll (Mast um einen Klotz nach vorne und Mastfall 6.75). Die erste Tonne erreichte ich als Erster – sah gut aus. Dann flaute der Wind ein Mü ab und Ändu zeigte mir, gefolgt von Hene, die Vorteile seines Trimms. Für mich natürlich trotzdem gut. Pisli gab auf und Fräne versegelte sich, also Konzentration auf Gesamtsieg.
Pisli kam aber zurück, einfach mit einem noch schnelleren Tuch. Laufsieg vor Fräne und der Gautschi gab mir auch noch einen drauf. Der letzte Lauf würde über Schreiben oder Nichtschreiben entscheiden. Ah – lasst mich nicht leiden, ich sah so gut aus, dann kam dieser doofe Dreher und ich war 13. am Fass, der Bürgi natürlich irgendwo vorne. Na ja, ich fing an zu rechnen; wenn Fräne einen Zweiten fährt (Erster lag nicht drin, Pisli segelt, als wäre er nie weggewesen – ach was – besser segelt er!), dann musste ein Vierter her. Also machten wir uns auf die Aufholjagd, der Dreher kam wieder und Fräne biss sich vorne fast die Pinne und was weiss ich noch ab, als er sah, wie mich die Kollegen reihenweise durchliessen…. Aber beim TYC-Präsi war dann Endstation, der ist ein begeisterter Leser von mir und gab alles, damit ich nicht an ihm vorbeikomme.
Deshalb, geneigte, arme Berichtsleser – wenn dieser zu lang wurde – bedankt Euch bei Pesche Kilchenmann!

Zusammenfassung: Sechs Läufe, schönes Wetter, gute Wettfahrtleitung (Dario Bischoff), auch wenn es rangmässig meine schlechteste Jungfrautrophy der letzten drei Jahre war – es war mit Abstand seit vielen Jahren eine der schönsten! Und am Dienstag war der Muskelkater fast nicht mehr zu spüren – wäre auch nicht gut gewesen, schliesslich mussten die Oldies die Finns für den nächsten Anlass, wo ich die Ehre und das Vergnügen habe, den Bericht zu schreiben, verladen.

Ruedi Baumann, SUI 57