Bericht Finnmania Grandson 2017

Kategorie: Berichte 2017 Veröffentlicht: Montag, 23. Oktober 2017 10:56

Es ist Freitag um 21:00 Uhr, und mein Telefon klingelt. Es ist meine Mutter, dass muss wichtig sein! Sie habe erfahren, dass ich am Wochenende in Grandson an einer Finn Regatta teilnehmen werde. Sie hätte da noch Erfahrungswerte aus den Zeiten wo mein Vater mit dem R20 Jollenkreuzer vor Grandson regattierte. Bei Thermik Richtung dem Plateaux (Yverdon) sei es am besten in der Verlängerung vom Zielkanal zu bleiben. Dort sei der Wind am stärksten...es bringe nichts die eine oder andere Seite zu wählen.

Gut vorbereitet mit Geheimtipps im Gepäck ging es also los nach Grandson. Auf dem Weg hingen noch Nebelfetzen über dem Neuenburgersee. Das kommt gut, dachte ich. Der Nebel lichtet sich schon um 10:00 Uhr, beste Voraussetzungen für die Thermik in der Bucht vor Grandson.

Der Empfang bei den Romand war wie erwartet locker und sehr freundlich. Les Welsch haben noch ein gewisses „Savoir vivre“, welches sie sehr sympathisch macht! Mit Josef Rochet am Start hatte der Anlass sogar einen internationalen Status erhalten. Um 12:30 Uhr begrüsst uns Le Duc und sein Team bei einem kurzen Skippermeeting. Kurz war gut, denn es galt keine Zeit zu verlieren. Eine leichte Thermik hatte sich schon etabliert. Nichts wie raus aufs Wasser; Es konnte los gehen.

Nun galt es zu prüfen, ob die Strategie, welche vor 50 Jahren in Erfahrung gebracht wurde, immer noch seine Gültigkeit hat. Mein Gefühl sagte was andres. Die linke Seite vom Kurs schien tendenziell mehr Wind zu haben. Die Startlinie auch links bevorzugt, also ein klarer Entscheid gegen die Verlängerung vom Zielkanal. Die 16 Finnisten waren etwas nervös und verhielten sich wie Rennpferde in der Startbox. Prompt produzierten wir einen Massenfrühstart. Die Wettfahrtleitung korrigiert die Startlinie und holt das Startboot mehr ins Luv. Nun war die Startlinie ausgeglichen. Bekommt die Urstrategie nun doch noch seine Richtigkeit? Ein Versuch war es wert, denn der Wind war nun auch rechts stärker geworden.

Der zweite Start klappt. Endlich ist die Regatta lanciert. Schnell zeigte sich, dass Christen wohl erneut nur von hinten zu betrachten sein wird, denn er ist schnell und macht auch sonst vieles richtig. Die Routinier Peschä und Joseph setzt sich auch schon früh ab. Zusammen mit Jiri konnte ich mich noch knapp „in- Tuchfühlung“ an deren Heck hängen. Währen dessen Christen den Vorsprung stetig ausbaute und einsam seine Runden drehte, blieb es bei den Verfolgern spannend. An der zweiten Kreuz konnte ich mich ein wenig von den Verfolgern absetzen. Dies war bitter nötig, denn mein Vorsprung war bei der Leetonne auf das Minimum zusammengeschrumpft. Der kurze Raumschenkel ins Ziel lies keine Überholmanöver mehr zu. Lauf eins gewinnt Christen vor Joseph und Peschä.

Lauf zwei und drei war ein Abbild vom ersten Lauf. Die Frage, welche Strategie anzuwenden sei, war geklärt. Das Lee der Startlinie war stets bevorzugt. Ein Start auf der linken Seite der Linie war unumgänglich. Danach sollte möglichst schnell auf den Streckbug gewendet und die Winddreher für kurze Holeschläge genutzt werden. Ganz nach Lehrbuch halt. Lauf zwei gewinnt Christen vor Peschä und Pisli. Lauf drei Christen vor Pisli und Peschä.

Die Sonne stand schon tief am Himmel und die Thermik liess schon etwas nach. Die kompetente Wettfahrtleitung zögerte nicht lange und legte den Kurs wesentlich kürzer aus. Dank diesem weisen Entscheid, konnte auch der vierte Lauf über die volle Länge ausgetragen werden. Peschä gelingt ein Traumlauf. Er gewinnt vor Christen und Pisli.

Das war’s von der Berichterstattung der Regattafront, denn am Sonntag wehte die Thermik zu schwach und es konnten keine Läufe ausgetragen werden. Berichtet habe ich nur von der Spitze des Klassements. Die Leistungen aller Teilnehmer sind jedoch hoch einzuschätzen, denn die Schleicherwinde zehrten an der Substanz. Stehtiger Segel- und Gewichts -Trimm war nötig, damit die Finns auf maximaler Geschwindigkeit gehalten werden konnten. Meine Beine schmerzten fast wie nach vier Starkwindläufen.

Der Klassen Finn wurde durch Jean-Pascal Chatagny gesegelt. Er tat dies mit Bravour. Dies ist aber kein Zufall, denn Jean-Pascal hat ein eindrückliches Palmares in diversen Bootsklassen aufzuweisen. Er belegt den hervorragenden fünften Rang. Weiter möchte ich Peter Tellenbach (RCO) zu seiner ersten Finnregatta gratulieren. Herzlich willkommen in der Finn Klasse „ein Peter mehr am Start.......“ Wenn ich mich nicht täusche, ist auch aus der Westschweiz ein Segler zur Finn Familie gestossen. Pierre Gudel (CVG) hat ebenfalls seine erste Finnregatta absolviert. Bienvenu dans la Classe Finn. Gewonnen hat die Finnmania 2017 in souveräner Manier, Christoph Christen vor Peter Kilchenmann und dem Schreiberling, Peter Theurer.

Noch ein paar Worte zum geselligen Teil... 7Peaks, dieser Brand lässt eher auf eine Sportkleider- und weniger auf eine Biermarke schliessen. Das zweite ist jedoch richtig. Es war unser Einlaufbier. Hergestellt in Morgins, der Heimat von Patrick Ducommun. Am Abend verwöhnten uns Patrick und seine Clubkollegen im Clubhaus mit einem wunderbaren Raclette. Der hervorragende Käse wurde ebenfalls in Morgins hergestellt.

Herzlichen Dank dem ganzen Team vom Cercle de la Voile de Grandson, für die Organisation der ersten Finn Regatta in deren Clubgeschichte. Duc sei Dank......!

Pisli, SUI 67